Porträt

Litar ist eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Zürich. Litar konzipiert und fördert Projekte in den Bereichen Literatur, literarische Übersetzung und Medien: Veranstaltungen, Publikationen, Ausstellungen. Die Projekte werden allein oder in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen durchgeführt. Litar nimmt keine Fördergesuche entgegen.

Ein Hauptzweck der Stiftung ist die Förderung des Übersetzerhauses Looren im Zürcher Oberland. Seit 2018 hat Litar eine Geschäftsstelle und entwickelt ein eigenes Programm.

 

Zeitschrift Cabaret Voltaire, 1916

Else Lasker-Schüler, „Die Königin“. Für Kete Parsenow, 1910

Projekte

Weltenweit – Literatur der Jenischen, Sinti und Roma

Festival 5./6. April 2019

Kulturhaus Kosmos Zürich

 

Jenische und Sinti sind, im Unterschied zu den Roma, seit 2016 als nationale Minderheiten der Schweiz anerkannt. Ihre Kultur ist reich – doch kaum bekannt. Im Vorfeld des Internationalen Tages der Roma am 8. April rückt Weltenweit die vielfältige Literatur von Jenischen, Sinti und Roma ins Zentrum. Das Festival will die Wahrnehmung schärfen, zur Diskussion anregen und den Dialog fördern. Autorinnen, Musiker, Filmerinnen, Forscher und Performerinnen aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und Serbien treten auf. Sie präsentieren ihre künstlerische Arbeit und diskutieren ihre Visionen mit der interessierten Öffentlichkeit. Weltenweit ist ein Festival für alle. Es öffnet Augen und Ohren weit über die Grenzen. 

Das Festival wird kuratiert von Christa Baumberger, Litar.

Freier Eintritt (ausser Filmmatinee)

Ort: Kulturhaus Kosmos, Lagerstrasse 104, 8004 Zürich (Lageplan)

Programm als PDF zum Download

 

Damian Le Bas, ohne Titel | Foto: Galerie Kai Dikhas, Diego Castellano Cano

 

Programm Freitag, 5. April 2019

Kosmos Zürich | Klub

 

18:30 Uhr   Performance

Roma Jam Session art Kollektiv und Trio Romani Zor

Roma Jam Session art Kollektiv. Das Künstler*innenkollektiv macht in der Schweiz und in Europa mit performativen Mitteln aktuelle Fragen der Roma sichtbar. Die hier präsentierte Public Performance heisst «CHROMA Intervention Detox Switzerland – Detox Europe».

Romani Zor (d.h.«Kraft der Roma») ist ein Trio aus Gesang, Geige und Harmonika. Es stammt aus der Vojvodina und macht traditionelle Roma-Musik.

 

19:00 Uhr   Weltenreise für Auge und Ohr | Vernissage, Lesung, Musik

Vernissage Mariella Mehr fröhlich verwildern mit Illustrationen von Isabel Peterhans, präsentiert von Regula Malin, Verlagsleiterin SJW

Streifzug durch den Modernen Poesie-Atlas der Sinti und Roma. Lesung: Lilly Friedrich

Musik von Romani Zor

Einführung und Moderation: Christa Baumberger, Litar

 

Mariella Mehr ist die bekannteste jenische Autorin der Schweiz. In den 1970er Jahren trug sie massgeblich zur Aufdeckung der Aktion «Kinder der Landstrasse» bei. Als Schriftstellerin hat sie eine poetische Sprache für Gewalt entwickelt.

 

20:15 Uhr   Apéro

 

Mariella Mehr fröhlich verwildern. SJW Nr. 2610, realisiert in Kooperation mit Litar © 2019 SJW

 

Programm Samstag, 6. April 2019

Kosmos Zürich | Kino 3 und Buchsalon

 

11:00 Uhr   «Unerhört jenisch» | Filmmatinee

Im Anschluss Gespräch mit der Filmemacherin Martina Rieder

Moderation: Jennifer Khakshouri

Martina Rieder ist Filmemacherin in Zürich. Für ihre Dokumentarfilme Unerhört jenisch (2017) und Jung und jenisch (2010) hat sie mit Karoline Arn mehr als sieben Jahre recherchiert. Ebenso spannend wie die Filme sind die Hintergrundgeschichten zur Entstehung.

Tickets Film: Tel. 044 299 30 30 (Kosmos) oder online: bit.ly/kosmostickets

 

13:30 Uhr   Von der Vagantenlyrik zur jenischen Literatur | Lesung und Präsentation

Venanz Nobel präsentiert Texte und Gedichte zwischen Fremdwahrnehmung und jenischer Identität

Lesung: Noémie Fiala

Venanz Nobel ist jenischer Aktivist und Publizist. In zahlreichen Gremien engagiert er sich für die Anliegen der Jenischen in der Schweiz und international. Genauso gut kennt er sich in der Literatur von Jenischen, Sinti und Roma aus.

 

14:30 Uhr   Realitäten und Utopien | Lesung und Gespräch

Mit den Schriftstellerinnen Isabella Huser und Simone Schönett 

Moderation: Christa Baumberger

Isabella Huser erzählt in ihrem zweiten Roman (in Arbeit) eine Geschichte jenischer Leute in der Schweiz, vom 19. Jahrhundert bis heute. Ausgehend von Recherchen über die eigene jenische Vaterfamilie blickt sie zurück in die Entstehungszeit der modernen Schweiz.

Simone Schönett ist eine österreichische Schriftstellerin und Jenische. Im Roman Andere Akkorde (2018) entwirft sie die Utopie eines europäischen Roma-Staates ohne Land. Er schliesst eine Trilogie zur Geschichte und Kultur der Jenischen in Österreich ab.

 

16:30 Uhr   Faszination und Verachtung: Jenische, Sinti und Roma in der Literatur | Podium

Podiumsdiskussion mit Simone Schönett, Beate Eder-Jordan und Klaus-Michael Bogdal

Moderation: Martin Zingg

Klaus-Michael Bogdal ist Professor für Germanistik an der Universität Bielefeld. Für seine Studie Europa erfindet die Zigeuner. Eine Geschichte von Faszination und Verachtung erhielt er 2013 den Leipziger Buchpreis für europäische Verständigung.

Beate Eder-Jordan ist Literaturwissenschaftlerin an der Universität Innsbruck, ihr Spezialgebiet sind die Romani-Literaturen und -Kulturen. Beim europäischen Projekt RomArchive ist sie Kuratorin für Literatur: www.romarchive.eu

Simone Schönett ist eine österreichische Schriftstellerin und Jenische. Im Roman Andere Akkorde (2018) entwirft sie die Utopie eines europäischen Roma-Staates ohne Land. Er schliesst eine Trilogie zur Geschichte und Kultur der Jenischen in Österreich ab.

 

18:00 Uhr   «Das jenische Zürich» | Stadtspaziergang

Willi Wottreng über Stadtjenische, Einführung im Buchsalon Kosmos. Im Anschluss Spaziergang zu jenischen Orten in Zürich-Aussersihl, mit Daniel Huber

Daniel Huber ist Jenischer und seit 2009 Präsident der Radgenossenschaft. In seine Zeit fällt die Anerkennung der Jenischen und Sinti als nationale Minderheiten der Schweiz. Er wuchs in Zürich-Aussersihl auf und lebte als Erwachsener lange im Wohnwagen.

Willi Wottreng ist Schriftsteller und Geschäftsführer der Radgenossenschaft. Von ihm stammt die Biografie zu Robert Huber mit dem Titel Zigeunerhäuptling (2010). Auch sein neuestes Buch über den Irokesenchief «Deskaheh» engagiert sich für unterdrückte Völker.

 

19:00 Uhr   Literarischer Schlusspunkt

Feierlicher Abschluss mit Martin Dreyfus, Litar. Bei der Bäckeranlage in Zürich-Aussersihl

 

Damian Le Bas, Crisis Time / Refugee Could Be You Could Be Me, 2016 | Galerie Kai Dikhas,  Diego Castellano Cano

 

Weltenweit – Literatur der Jenischen, Sinti und Roma

Ausblick 2019

 

Litar führt im 2019 weitere Veranstaltungen zu Literatur und Kultur der Jenischen, Sinti und Roma durch.

 

 Sa 4. Mai, ab 15:30 Uhr

Literaturtag Eglisau «Jenisch in der Schweiz» | Lesungen, Gespräch, Film

Programm folgt

 

Do 6. Juni, 19:30 Uhr

«Märchen der Roma – sammeln und übersetzen» | Lesung und Diskussion

Dornröschen, Schneewittchen und Aschenputtel – die Märchen der Brüder Grimm kennt hierzulande jedes Kind. Doch wer kennt die Märchen der Kalderaš und der Arlije? Die Märchen der Roma sind voller Humor, mal anzüglich, mal versponnen, allemal verquer und voller überraschender Pointen. Christiane Fennesz-Juhasz, Kustodin am Phonogrammarchiv Wien, und Dieter Halwachs, Linguist an der Universität Graz, haben während vielen Jahren die Sprache Romani erforscht, mündlich tradiertes Erzählgut gesammelt und eine zweisprachige 6-bändige Ausgabe mit Märchen der Roma herausgebracht. Zusammen mit Melitta Depner, Literaturübersetzerin aus dem Romani, geben Sie einen Einblick in diese unbekannten Sprach- und Literaturwelten. Christa Baumberger, Leiterin der Stiftung Litar und des Programms «Weltenweit – Literatur der Jenischen, Sinti und Roma», führt in den Abend ein. Moderation: Jennifer Khakshouri

Literaturhaus Zürich

Kooperation Litar und Übersetzerhaus Looren

 

Sa 15. Juni, 15:00 Uhr

Jenischer Sommermarkt | Ausstellung, Begegnung mit Jenischen, Essen und Musik

Zillis/Via Mala, Camping Rania 

Kooperation Litar und Radgenossenschaft

Information und Anmeldung: info@litar.ch

 

So 15. September, 11:30 Uhr

Gehende Lesung mit Texten von Mariella Mehr

lerjentours und Lilly Friedrich

Lenzburg, Treffpunkt beim Aargauer Literaturhaus

Kooperation Litar und Aargauer Literaturhaus

 

Sa 12. Oktober, ganzer Tag

4. Jenischer Kulturtag Innsbruck

Podien, Ausstellung, Musik. Hommage an Mariella Mehr

Kulturbackstube Innsbruck

Kooperation Litar und Initiative Minderheiten Tirol

 

Damian Le Bas, ohne Titel | Foto: Galerie Kai Dikhas, Diego Castellano Cano

Galerie Litar

Litar geht auf literarische Spurensuche.

Plakate und Aufschriften genauso wie Kunst im Stadtraum sind für alle sichtbar – und bleiben doch häufig unbemerkt. Litar zeigt ausgewählte Schriftbilder und Sprachkunst aus dem öffentlichen Raum.

Die Fotoserien werden begleitet von einem kurzen Text. Sie werden in loser Folge in der digitalen Galerie Litar präsentiert.

Lawrence Weiner | Courtesy the artist and Mai 36 Galerie Zurich. Fotos: Christa Baumberger

  Lawrence Weiner "Ball bearings or round stones …"

Bellevue, Helvetiaplatz, Limmatplatz – drei stark frequentierte Plätze mitten in Zürich.  Tausende Passanten überqueren sie täglich, kaum jemand sieht auf den Boden. Auf jedem der Plätze sind jedoch drei Stahlplatten in den Asphalt eingelassen. Auf Deutsch, Englisch und Italienisch heisst es da:

 

// Kugellager oder runde Steine zum Rollen gebracht ausserhalb was ist //

// Ball bearings or round stones made to roll outside of what there is //

// Cuscinetti a sfera o ciottoli levigati fatti rotolare al di fuori da ciò che è //


Das dreiteilige Werk stammt vom US-amerikanischen Konzeptkünstler Lawrence Weiner (*1942). Er verwendet mit Vorliebe Sprache als künstlerisches Material. Aus Wörtern und Sätzen destilliert er Aussagen,  die in ihrer Kürze und Offenheit zum Nachdenken anregen. Seine Sprachbilder treten in einen Dialog mit der Umgebung und den Menschen. Der Künstler übersetzt selber, er folgt dabei nicht den gängigen Sprachregeln, sondern den Regeln seiner eigenen Kunst. Damit fordert er unser Verstehen heraus.

Weiners Werk lädt ein, für einen kurzen Augenblick innezuhalten. Es stellen sich Fragen: Verfolge ich den geraden Weg und gehe darüber hinweg oder weiche ich aus? Wohin führt dieser Schritt? Und welche 'runden Steine' bringen etwas ins Rollen? 

Weiner setzt etwas in Bewegung: Gedanken, Beine oder eben Steine.

Sein Werk bringt die Ziele von Litar anschaulich zum Ausdruck: abseits vom Etablierten kleine und grosse Steine ins Rollen bringen und damit etwas bewegen. Das Übersetzen als eigenständige künstlerische Leistung verstehen. Und der Sprache und Mehrsprachigkeit im Alltag einen künstlerischen Wert geben.

Geschäftsstelle Litar © Ayse Yavas

Kontakt

Die Geschäftsstelle von Litar befindet sich mitten im Kreis 4 in Zürich, an der Gartenhofstrasse 27. Eine symbolträchtige Strasse.

Nur einige Häuser weiter eröffnete Leonhard Ragaz Anfang der 1920er Jahre ein Zentrum für Arbeiterbildung. Und Clara Ragaz-Nadig engagierte sich in der internationalen Frauenbewegung. Gemeinsam widmeten sie sich seit dem Ersten Weltkrieg der Friedensarbeit.

Litar

Gartenhofstrasse 27, CH-8004 Zürich
Telefon +41 44 291 99 00
info@litar.ch
Dr. Christa Baumberger
Geschäftsleiterin

 

Foto: Ayse Yavas

 Christa Baumberger © Ayse Yavas