Thomas Hirschhorn: Robert Walser-Sculpture  | Courtesy the artist, 2019

Thomas Hirschhorn «Robert Walser-Sculpture» | Biel

«Ich habe Robert Walser versprochen, das zu machen», sagt der Schweizer Künstler Thomas Hirschhorn (*1957), der mit seinen partizipativen Installationen international grosse Bekanntheit erlangt hat. Was? Keine Skulptur. Als Hommage an den grossen Schweizer Autor Robert Walser baute Thomas Hirschhorn im Sommer 2019 auf dem Bahnhofplatz in Biel eine Stadt in der Stadt und sprayte Walsers Texte auf Sperrholz.

An Thomas Hirschhorns Robert Walser-Sculpture kam im Sommer 2019 niemand vorbei. Vor dem Bahnhof in Biel wurde man mit Transparenten empfangen: «Be an Outsider! Be a Hero! Be Robert Walser!» Mitten auf dem Platz eine wachsende, pulsierende, überbordende Robert Walser-Township aus Sperrholz und braunem Klebeband. Eine Stadt aus Holzverschlägen, in denen gezimmert, gekocht und gedichtet wurde. Schmale Gänge führten über Brücken zu Plätzen und Nischen und manchmal auch ins Nirgendwo. Mittendrin eine Arena mit einer offenen Bühne für alle, die sich zu Robert Walser oder zum Stand der Welt äussern wollten. Und das waren viele. Thomas Hirschhorns wollte kein Museum, sondern einen lebendigen Ort der Begegnung und des Dialogs schaffen: «Es geht nicht um Kultur, es geht nicht um Architektur. Die Menschen sind wichtig, nicht die Plattform. Die Menschen machen die Skulptur». 

Das Präsenz- und Produktionsprojekt wurde im September 2019 vollständig abgebaut, doch Robert Walsers Werk bleibt bestehen. Man kann es zwischen Buchdeckeln lesen oder in dieser Fotoserie auf Sperrholz entdecken.

Lawrence Weiner: Ball bearings or round stones | Courtesy the artist and Mai 36 Galerie Zurich.

Lawrence Weiner «Ball bearings or round stones …» | Zürich

Bellevue, Helvetiaplatz, Limmatplatz – drei stark frequentierte Plätze mitten in Zürich.  Tausende Passanten überqueren sie täglich, kaum jemand sieht auf den Boden. Auf jedem der Plätze sind jedoch drei Stahlplatten in den Asphalt eingelassen. Auf Deutsch, Englisch und Italienisch heisst es da:

 

// Kugellager oder runde Steine zum Rollen gebracht ausserhalb was ist //

// Ball bearings or round stones made to roll outside of what there is //

// Cuscinetti a sfera o ciottoli levigati fatti rotolare al di fuori da ciò che è //


Das dreiteilige Werk stammt vom US-amerikanischen Konzeptkünstler Lawrence Weiner (*1942). Er verwendet mit Vorliebe Sprache als künstlerisches Material. Aus Wörtern und Sätzen destilliert er Aussagen,  die in ihrer Kürze und Offenheit zum Nachdenken anregen. Seine Sprachbilder treten in einen Dialog mit der Umgebung und den Menschen. Der Künstler übersetzt selber, er folgt dabei nicht den gängigen Sprachregeln, sondern den Regeln seiner eigenen Kunst. Damit fordert er unser Verstehen heraus.

Weiners Werk lädt ein, für einen kurzen Augenblick innezuhalten. Es stellen sich Fragen: Verfolge ich den geraden Weg und gehe darüber hinweg oder weiche ich aus? Wohin führt dieser Schritt? Und welche 'runden Steine' bringen etwas ins Rollen? 

Weiner setzt etwas in Bewegung: Gedanken, Beine oder eben Steine.

Sein Werk bringt die Ziele von Litar anschaulich zum Ausdruck: abseits vom Etablierten kleine und grosse Steine ins Rollen bringen und damit etwas bewegen. Das Übersetzen als eigenständige künstlerische Leistung verstehen. Und der Sprache und Mehrsprachigkeit im Alltag einen künstlerischen Wert geben.